Hanf (Cannabis) ist seit Jahrtausenden in weiten Teilen der Welt als universelle Nutzpflanze bekannt und wächst in fast jedem Klima. Auch in unseren Breiten herrschen für die Keimung von Hanfsamen ideale Bedingungen. Das gilt besonders für die sonnigen Berghänge der Schweiz. Vor dem ersten Weltkrieg hatten hier viele Bauern zur Selbstversorgung Hanfsamen ausgesät. Hanfsamen wird seit langem für die menschliche Ernährung genutzt. Außerdem war Cannabis ein bewährtes Hausmittel gegen körperliche Schmerzen infolge der schweren Feldarbeit und zur Wiederherstellung der Kräfte bei Erschöpfung. Auch dienten Hanffasern der Herstellung von Textilien. Allmählich verlor Hanf in diesem Bereich zugunsten von Flachs, Jute und Baumwolle an Bedeutung und das Aussäen von Hanfsamen wurde eingestellt. Erst seit 1993 werden in der Schweiz wieder Felder mit Hanfsamen bestellt. Entsprechend der gegenwärtigen Bestimmungen dürfen in der Schweiz alle THC-armen Hanfsamensorten zur Aussaat und als Nahrungsmittel verwendet werden. 1993 begann die schweizer Forschungsanstalt Zürich-Reckenholz an einer Versuchsreihe mit Hanf zu arbeiten, die sich mit den Verwendungsmöglichkeiten der Pflanze und der Samen beschäftigte. Beispielsweise kann aus Hanfsamen ein Speiseöl gewonnen werden, das besonders reich an Omega-3-Fettsäuren ist. Doch auch der Hanfsamen selbst ist ernährungsphysiologisch wertvoll. Hanfsamen sind in der Schweiz in Apotheken und Reformhäusern erhältlich. Er verfügt über einen sehr hohen Anteil an Linolsäure und Alpha-Linolsäure. Der gesundheitliche Wert der Alpha-Linolsäure liegt darin, dass sie die Bildung entzündlicher Stoffe im Körper hemmt und Gefäßerkrankungen vorbeugt. Zudem ist Hanfsamen wegen des geringen Anteils an Oligosacchariden (Zucker mit einer bestimmten Molekülstruktur) besonders bekömmlich. Im Frühjahr 1993 begann im Wallis die Aussaat ersten Hanfsamen. Insgesamt baute man 1993 in diesem Kanton auf etwa einem Hektar Land Hanf an. Das entsprach in jener Zeit dem gesamten Hanfanbau in der Schweiz. Doch bereits im Folgejahr wurden schweizweit auf 20 Hektar Land Hanfsamen ausgesät und vermehrt. Ein Teil des Ertrags wurde zur Herstellung von Müsliriegeln und Hanfbackwaren verwendet. Bis 1998 gab es in der Schweiz für den Hanfanbau zur industriellen oder energetischen Nutzung eine finanzielle Unterstützung von 3.000 Franken pro Hektar, wenn bestimmte Samensorten verwendet wurden. 1998 nutzte man in der Schweiz insgesamt etwa 200 Hektar Land für den Hanfanbau. Drei Jahre später entstand eine eidgenössische Hanfinitiative, die sich unter anderem gegen die Verteufelung des Cannabis-Gebrauchs wendet. Seit den 90er Jahren gibt es in der Schweiz einige Läden, die Hanfprodukte und Hanfsamen anbieten. Viele dieser Händler vertreiben Hanfsamen auch über das Internet. Die schweizer Portale bieten neben Hanfsamen auch nützliche Informationen zum Hanfanbau und zur aktuellen Rechtslage beim Samenkauf.
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